Gefängnisse, Notarreste und Sammellager


Bereits in den ersten sechs Wochen nach dem „Anschluss“ wurden zehntausende Österreicher festgenommen. Von den Verhaftungen betroffenen waren Vertreter des austrofaschistischen Regimes, Kommunisten, Sozialisten, antinazistisch eingestellte Kulturschaffende und Journalisten sowie Juden. Manche Inhaftierte wurden nach wenigen Tagen freigelassen, andere in Konzentrationslager verschickt. Um die große Zahl der Gefangenen unterbringen zu können, reichten das Polizeigefangenenhaus in der Roßauer Kaserne (9., Schlickplatz 6) und das Gefängnis im Straflandesgericht (8., Wickenburgstraße 18) bald nicht mehr aus. Daher richtete das NS-Regime Notarreste in ehemaligen Schulen oder Polizeigebäuden in verschiedenen Teilen Wiens ein.

Die Wiener Sammellager für die großen Deportationen befanden sich alle im zweiten Bezirk, wo das Wohnungsamt der Stadt Wien die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung durch „Wohnungsarisierungen“, Zwangsdelogierungen und der Einweisung in "Sammelwohnungen" bereits konzentriert hatte. Die ersten beiden, Anfang Februar 1941 gleichzeitig eingerichteten Lager befanden sich in einer Schule der Stadt Wien in der Kleinen Sperlgasse 2a und im Gebäude des ehemaligen jüdischen Chajesrealgymnasiums in der Castellezgasse 35. Von Juli 1942 bis Mai 1943 befand sich im Gebäude des ehemaligen jüdischen Mädchenheims (Dr. Krüger-Heim) in 2., Malzgasse 7 / Ecke Miesbachgasse 8 ein Sammellager. Hier war auch ein kleines Gestapogefängnis eingerichtet, in das Jüdinnen und Juden, die sich eines Vergehens schuldig gemacht hatten, bis zu ihrem Abtransport festgehalten wurden. Von Juni bis November 1942 errichtete die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ auch in der Malzgasse 16, in den Räumlichkeiten der ehemaligen „Talmud Thora Schule“, ein Sammellager.

Sammellager

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Sammellager für Deportationstransporte 1939–1943


A / 2., Kleine Sperlgasse 2a: Februar 1941 bis Herbst 1942
B / 2., Castellezgasse 35: Oktober 1941 bis Juni 1942
C / 2., Malzgasse 7 / Miesbachgasse 8: Juli 1942 bis Mai 1943
D / 2., Malzgasse 16: Juni bis November 1942

Nicht abgebildet:
10., Gänsbachergasse 3 (heute: 3. Bezirk) für 3. Transport
nach Nisko am San: November 1939 bis Februar 1940


Gefängnisse und Notarreste 1938–1939 (Auswahl)


E / 1., Morzinplatz 4 / Salztorgasse 6: Hotel Metropol, Gestapo-Leitstelle Wien
F / 8., Wickenburgstraße 18: Straflandesgericht
G / 9., Roßauerlände 1: Polizeigefangenenhaus
H / 9., Schlickplatz 6: Roßauer Kaserne
I / 20., Karajangasse 16: Notarrest

Nicht abgebildet:
2., Meiereistraße 7: Praterstadion
7., Kenyongasse 10: Notarrest