Zwangsarbeit


Binnen weniger Monate nach dem „Anschluss" gelang es den NS-Regime Jüdinnen und Juden aus der deutschen Gesellschaft, Wirtschaft und dem Kulturleben zu verdrängen. Um zu verhindern, dass die ihrer Existenz beraubten Juden der öffentlichen Hand zur Last fielen, wurden seitens der Behörden rasch Pläne zu ihrem zwangsweisen Arbeitseinsatz entwickelt. Zwischen 1938 und 1941 führten verschiedene Wiener- und Reichsbehörden unabhängig voneinander diverse Maßnahmen zur Regelung für Zwangsarbeit der jüdischen Bevölkerung ein. Ihre Erlässe und Bestimmungen hatten jedoch immer nur einen begrenzten Geltungsbereich. Erst am 3. Oktober 1941, also unmittelbar vor Beginn der großen Deportationen aus dem Deutschen Reich, schufen die Behörden ein einheitliches Regelwerk über die Beschäftigung von Jüdinnen und Juden. Darin definierte das NS-Regime das Beschäftigungsverhältnis von Juden als ein „besonderes“, was bedeutete, dass ihnen die meisten Rechte und Vergünstigungen aberkannt wurden. Jugendliche ab vierzehn Jahren wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet und hatten dieselben Arbeitszeiten wie Erwachsene.

Zu den größten Nutznießern der Zwangsarbeit in Wien gehörten die Wehrmacht und die Stadt Wien. Gefürchtet waren das Schneeschaufeln und die Arbeit auf der„Mistgstätten", dem größten Müllplatz Wiens, der sich auf dem Areal des heutigen Donauparks und der UNO-City befand. Darüber hinaus nutzten viele Wiener Industrie- und Gewerbebetriebe vermehrt die Möglichkeit, mit jüdischen ZwangsarbeiterInnen billige Arbeitskräfte zu bekommen. Aufgrund des drückenden Arbeitskräftemangels im Jahr 1944 wurde die Mindestwochenarbeitszeit für Jüdinnen und Juden mit sechzig Stunden festgelegt.

Ende Juni/Anfang Juli 1944 wurden rund 15.000 Jüdinnen und Juden aus Ungarn, die ursprünglich nach Auschwitz deportiert werden sollten, nach Ostösterreich verbracht. Sie wurden jeweils zur Hälfte zur Zwangsarbeit in den Gauen Großwien und Niederdonau eingesetzt.

Zwangsarbeit in Wien 1939-1945 (Auswahl)

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Wohnlager der Gemeinde Wien 1944–1945
für ungarisch-jüdische ZwangsarbeiterInnen (Auswahl)


A / 10., Laaer Berg Straße 61 (unbekannt)
B / 10., Schrankenberggasse 32 (283 Personen)
C / 12., Bischoffgasse 10 (585 Personen)
D / 15., Hackengasse 11 (450 Personen)
E / 21., Kuenburggasse 1 (unbekannt)
F / 21., Mengergasse 33 (639 Personen)
G / 21., Leopold-Ferstl-Gasse 9 (unbekannt)
H / 22., Konstanziagasse 24 (358 Personen)
I / 24., Schloss Laxenburg, Wohnlager im blauen Hof, Durchgangslager für kranke
       und straffällige Jüdinnen und Juden


Zwangsarbeit in Wien 1939–1945 (Auswahl)


J / 22., Wagramer Straße 5: „Mistgstätten“ der Stadt Wien
       (heute: Areal des Donauparks)
K / 2., Engerthstraße 230: Leergutsammelstelle der Wehrmacht,
       mehrere Zweigstellen
K1 / 23., Kledering: Zweigstellen Kledering
L / 2., Krummbaumgasse 8: Möbelverwertungsstelle der Vugesta, 16 Zweigstellen
L1 / 11., Mautner-Markhof-Gasse 40 (Dorfgasse): Zweigstelle der Vugesta
M / 23., Moosbrunn: Hachscharah-Lager (Landwirtschaftliche Ausbildung)
N / 22, Breitenlee: Schottergrube des Basaltwerks Breitenlee
O / 6., Mariahilfer Straße 1a: Pelzhaus Hucek